Inklusion in Ganderkesee: Wie drei Frauen Barrieren in Köpfen einreißen wollen
Ein Leben mit Schwerhörigkeit, Asthma oder psychischen Belastungen bringt oft unsichtbare Hürden mit sich. Die Arbeitsgemeinschaft der Selbsthilfe- und Initiativgruppen (ASG) in Ganderkesee startet ein neues Projekt: Ehrenamtliche gehen in Schulen und Vereine, um Vorurteile abzubauen und Aufklärungsarbeit zu leisten.
Wie fühlt es sich an, wenn Gespräche nur bruchstückhaft verständlich sind, alltäglicher Lärm zur Belastung wird oder eine chronische Erkrankung das Leben prägt? Und wie kann man all das Nichtbetroffenen möglichst altersgruppengerecht vermitteln? Mit diesen Fragen beschäftigt sich derzeit die Arbeitsgemeinschaft der Selbsthilfe- und Initiativgruppen (ASG) in der Gemeinde Ganderkesee. Die Ehrenamtlichen Sabine Bretzke, Hella Dietz und Cornelia Woltmann entwickeln hierzu ein neues Informations- und Begegnungsangebot, das Menschen jeden Alters für die Lebensrealität von Betroffenen sensibilisieren soll. „Nur wer die Herausforderungen kennt, kann Barrieren im Kopf abbauen“, lautet eine der Überzeugungen der ASG. Gleichzeitig sollen mit dem Projekt Betroffene erreicht werden, die persönliche Unterstützung benötigen.
Persönlicher Austausch im Mittelpunkt
Im Mittelpunkt des Vorhabens steht der persönliche Austausch. Denn Inklusion, so die Überzeugung der Initiatoren, bedeutet weit mehr als den Abbau baulicher Hindernisse. Es geht vor allem um gegenseitiges Verständnis, Respekt und die Bereitschaft, sich auf unterschiedliche Lebenssituationen einzulassen.
In einem Workshop sammelten die ASG-Mitglieder vorab Schwerpunkte für das Projekt. Ein besonderer Fokus liegt auf unsichtbaren Einschränkungen – etwa Herzerkrankungen, Asthma, Tumorerkrankungen, Schwerhörigkeit, lautsprachbegleitenden Gebärden sowie psychischen Erkrankungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Auch Themen wie Rheuma, Barrierefreiheit und die Belastung von Angehörigen spielen eine Rolle. Sabine Bretzke, Vorsitzende der ASG, bringt das Ziel auf den Punkt: „Inklusion beginnt dort, wo Menschen bereit sind, einander zuzuhören und voneinander zu lernen.“
Authentische Einblicke aus erster Hand
Als Betroffene wollen Bretzke, Dietz und Woltmann dabei selbst das Wort ergreifen und authentisch aus ihrem Alltag berichten. So deckt Bretzke die Themen „Schwerhörigkeit“ und „lautsprachbegleitende Gebärden“ ab. Als Sozialpädagogin kann sie sich zudem vorstellen, in Schulen und Kindergärten kindgerecht über Beeinträchtigungen und die sozialen Folgen zu berichten. Dietz unterstützt hingegen Angehörige von psychisch erkrankten Kindern und Jugendlichen, und Woltmann steht Menschen mit Einschränkungen wie Tumoren, Herzschrittmachern sowie chronischen Erkrankungen wie Asthma und Rheuma zur Seite. Wer in anderen Bereichen als den genannten Hilfe benötigt, kann sich ebenso melden. „Wir vermitteln gerne den Kontakt zu einer unserer insgesamt 13 Selbsthilfegruppen“, betont Bretzke. Die geplanten Begegnungsformate richten sich an Schulen, etwa für Projekttage, sowie an Vereine und alle Betroffenen und interessierten Bürger.
So nehmen Sie Kontakt auf
Das Projekt befindet sich aktuell in der Planungsphase. Interessierte Einrichtungen und Gruppen aus der Gemeinde Ganderkesee können Kontakt aufnehmen, um Treffpunkt, Termin und Dauer individuell abzustimmen. Die Kontaktaufnahme ist per E-Mail an info@asg-ganderkesee.de möglich. Nähere Informationen über die ASG gibt es online unter www.asg-ganderkesee.de.

